Archiv der Kategorie 'Theaterstücke'

Kammerspiele im Bunker

Datum: 25. Januar 2011 | Kategorie: Theaterstücke

Ingo Landwehr hat uns netterweise darauf hingewiesen, dass das Junge Theater Göttingen spontan Dennis Kellys “Nach dem Ende” ins Programm aufgenommen hat (Presse). Wer also im Einzugsbereich Göttingen weilt oder die Fahrt auf sich nehmen möchte, sollte sich die Rarität Postapokalypse als Theateraufführung nicht entgehen lassen – Berichte werden gern veröffentlicht bzw. können gerne kommentiert werden!

No comments

»Jetzt sind wir an der Energie!«

Heute hat Amazon mir zwei Medien geliefert, die nicht nur wunderbar zu meinem neuen Forschungsprojekt passen, sondern sich auch hier prima platzieren lassen:

Capeks Theaterstück “R.U.R.”, auf dem das Hörbuch basiert, stammt aus dem Jahr 1921 und erzählt davon, wie die Erfindung des “Roboters” (hier wird das Wort erstmals benutzt) zuerst die Menschheit von der Arbeit befreit, indem die gefühllosen, künstlichen Menschen ihren Erfindern alle Mühe und Last abnehmen. Dann aber mischt sich eine Humanistin ein, der die Roboter leid tun, weil sie keine Seele haben und die sie aus der Sklaverei befreien will, weil die Menschen jetzt, nachdem sie keine Aufgabe mehr haben, auch aufgehört haben Kinder zu zeugen. Sie instruiert einen der Erfinder, Roboter mit größeren Gehirnen zu entwerfen und sie vernichtet danach die Bauanleitung für die Roboter. Es kommt, wie es kommen muss: Die Roboter übernehmen die Weltherrschaft und töten alle Menschen – bis auf einen Wissenschaftler, der ihnen aus ihrer Vermehrungskrise helfen soll. Doch auch er kennt das Geheimnis der Roboterkonstruktion nicht und gerade, als er ein Roboter-Pärchen sezieren will, stellt er fest, dass diese beiden Maschinen menschlich geworden sind, Angst um ihre Existenz haben und dass sie einander lieben.

“R.U.R.” vereint die jüdische Golem-Sage mit den Fieberträumen des Fordismus, in dem Menschen nach und nach durch Maschinen ersetzt oder selbst zu Maschinen am Fließband werden. Dass Capek diese Fantasien bereits in den 1920er Jahren hatte, beeindruckt umso mehr, als es anthropomorphe Maschinen, wie er sie beschreibt, in der Fiktion bis dahin nur als romantische Ausgeburten gegeben hat: Was hier an der (Nicht-)Existenz einer “Seele” festgemacht wird, konkretisiert sich in “R.U.R.” auf biophysischer Ebene dadurch, dass die Roboterkörper zwar offenbar organisch sind, aber keine Nerven besitzen, weil diese im Arbeitsprozess nur hinderlich wären. Erst als klar wird, dass man mit Schmerz-Empfindungen die Unfallhäufigkeit senken kann und daher Nerven in den Körpern verbaut, stellt sich so etwas wie ein Selbsterhaltungstrieb bei den Robotern ein, der im Stück mit “Angst” tituliert wird. Das ist natürlich Materialismus reinster Sorte (was im Hörbuch auch reflektiert wird) aber für ein engagiert antikapitalistisches Stück wie “R.U.R.” zu dieser Zeit eben auch nicht ungewöhnlich.

Die zweite Anschaffung trägt schon deutlich ironischere Züge. Ähnlich Max Brooks’ “Zombie Survival Guide” (der ebenfalls ins Bunker-Bücherregal jedes Postapokalyptikers gehört) richtet sich Wilsons Buch an die Vorsorgenden: Was ist zu tun, wenn Roboter (wie von Capek prognostiziert) die Weltherrschaft an sich reißen? Auf 176 sehr reichlich illustrierten Seiten erfährt man es – z.B. wie man einen Roboter erkennt, der sich als Mensch ausgibt (“Does he smell like a brand new soccer ball?”), wie man eine Laser-Wunde behandelt (“During the uprising the laser wound become the most common by-product of human-robot interaction.”) und natürlich, wie man den eigenen Körper mit gefundenen Roboter-Teilen selbst kybernetisch aufwertet.

Für den Mini-Preis von jeweils knapp 8 Euro seien beide Titel dringend zur Anschaffung empfohlen!

No comments