Archiv der Kategorie 'Literatur und Sekundärliteratur'

Weltuntergang vom Kreuzberg

Datum: 18. November 2010 | Kategorie: Literatur und Sekundärliteratur

Kürzlich habe ich bei einem Einkaufsbummel den Buchladen “Otherland” entdeckt, der sich auf Fantasy, SF und Horror spezialisiert hat. Heute war ich noch einmal dort, habe ein paar Stunden im Antiquariatsteil des Ladens verbracht und u. a. folgendes für unser Thema dort gefunden und gekauft:

Richard Morris: Das Ende der Welten. Die Zukunft des Planeten Erde. Frankfurt am Main u.a.: Ullstein 1985.

Morris skizziert auf Basis der astronomischen und kosmologischen Kenntnisse seiner Zeit, wie die Welt untergehen wird. Das Ausbrennen der Sonne spielt dabei ebenso eine Rolle wie Zusammenstöße mit anderen Himmelskörpern. Im ersten Großkapitel betrachtet er das Ende der Erde und des Sonnensystems; im zweiten das Ende des Universmus.

Isaac Asimov u.a. (Hgg.): Der letzte Mensch auf Erden. München: Heyne 1982.

Eine Anthologie mit Erzählungen um den letzten verbliebenen Menschen und seine Erlebnisse. 17 Stories und eine Einleitung von Asimov. Sozusagen die perfekte Fortsetzung zu “Die letzten 48 Stunden“, das ich hier kürzlich vorgestellt habe.

Brian Harris: Der nächste Weltkrieg. München: Heyne 1982.

SF-Roman über eine sowjetische Invasion in die USA, nachdem diese dem Gegner die Weizenlieferung verweigert. Der Konflikt eskaliert bis zur ultima ratio und kann nicht mehr gestoppt werden.

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Tödliche Schönheit und Information

Datum: 21. Oktober 2010 | Kategorie: Literatur und Sekundärliteratur

Aus einem Kreuzberger Antiquariat mitgebracht und hier weiter empfohlen:

Neben den für mich wichtigen Kapiteln zur Schönheit von “Robotern” und “Computern” gibt es auch eines über die Schönheit der Atombombe.

Man sollte sich vom zweiten Untertitel (“von der Atike bis zum Jahr 2000″) nicht täuschen lassen: Das Buch ist ein “Kind seiner Zeit” und behandelt im größten Teil die Medien- und Kommunikationstechnologien sowie die computerisierte Waffentechnik des Kalten Krieges. Genau dazu habe ich auf der letzten Kurztagung einen Mini-Vortrag gehalten – schade, dass ich es da noch nicht hatte/kannte.

(Um zu den Amazon-Angeboten der Bücher zu gelangen, bitte auf das Cover klicken.)

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Weltuntergang war Gestern

Datum: 10. Oktober 2010 | Kategorie: Literatur und Sekundärliteratur,Retro

Vor den Eingängen der Frankfurter Buchmesse finden sich Jahr für Jahr Antiquariatsstände. Dieses mal habe ich einen besucht, der sich auf Science-Fiction-Taschenbücher spezialisiert hat und dabei folgende kleine Schätze (Anklicken für Amazon) geborgen:

Eine Anthologie von Erzählungen, Gedichten und Grafiken: Die Herausgeber haben eine Ausschreibung veranstaltet, bei der man Arbeiten einreichen sollte, die sich mit der Frage beschäftigen: Was tun, wenn man weiß, dass in 48 Stunden die Welt untergeht. Eine beeindruckende Sammlung! Die Hälfte des Inhalts beschäftigt sich natürlich mit dem Atomkrieg.

“Amerikanische Wissenschaftler habe eine Zeitmaschine konstruiert. Mit dieser schicken sie eine Filmkamera hundert Jahre in die Zukunft. Doch die Aufnahmen aus jener Zeit vermitteln ein Bild de Schreckens. Die Erde ist durch einen Atomkrieg verwüstet. Nur wenige Menschen haben die Katastrophe überlebt. Jeder ist des anderen tödlicher Feind”. ’nuff said!

“Zu lebenslanger Untätigkeit verurteilt, vegetiert Pierre Freitag in einer unterirdischen Bunktergesellschaft dahin. Ein Atomkrieg vor fast tausend Jahren vernichtete nahezu alles Leben und trieb die letzten Menschen in den Untergrund”

“Göttern gleich bedienen zwei besessene Wissenschaftler ihren allmächtigen Computer: Jede gewünschte Entwicklung realisiert die Simulationsmaschine in Form wirklichkeitsidentischer Filme. Grundlage auch groteskester Zukunftsspiele bildet stets die gleiche lapidare Ausgangssituation: Bemanntes Raumschiff kehrt aus dem All zurück – findet die Erde menschenleer – verzweifelte Suche der Besatzung nach den Ursachen der Weltkatastrophe …”

Ein stadtförmiger Computer wendet sich gegen die Menschen. Nach Jahrtausenden kehren die letzten Überlebenden auf die Erde zurück und finden den Computer immer noch arbeitend vor.

Siehe Umschlag.

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Blicke ins Text-Grab

Datum: 24. Juli 2010 | Kategorie: Literatur und Sekundärliteratur,Texte,Web

Bei Recherchen zur Ko-Geschichte von Computer- und Atomwaffentechnik bin ich auf einen älteren Spiegel-Artikel aus dem Jahr 1988 gestoßen: “Blick ins Grab” heißt er und verhandelt das Motiv des Atomkriegs in der Science-Fiction-Literatur (in der ja bekanntlich der eine oder andere Computer auftaucht) – eher überblickshaft als systematisch. Der Artikel liegt als Scan und Textversion im (sowieso auf unseren Themenkomplex hin zu durchstöbernden) Online-Archiv des Spiegels vor und liefert ausreichend Stoff für die kommenden Antiquariatsbestellungen.

Zum oben erwähnten Themenkomplex Computer & Kalter Krieg liegen mir zudem gerade zwei  Bibliotheksexemplar folgender Bücher vor, die ich an interessierte Leser weiterempfehle:

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»Jetzt sind wir an der Energie!«

Heute hat Amazon mir zwei Medien geliefert, die nicht nur wunderbar zu meinem neuen Forschungsprojekt passen, sondern sich auch hier prima platzieren lassen:

Capeks Theaterstück “R.U.R.”, auf dem das Hörbuch basiert, stammt aus dem Jahr 1921 und erzählt davon, wie die Erfindung des “Roboters” (hier wird das Wort erstmals benutzt) zuerst die Menschheit von der Arbeit befreit, indem die gefühllosen, künstlichen Menschen ihren Erfindern alle Mühe und Last abnehmen. Dann aber mischt sich eine Humanistin ein, der die Roboter leid tun, weil sie keine Seele haben und die sie aus der Sklaverei befreien will, weil die Menschen jetzt, nachdem sie keine Aufgabe mehr haben, auch aufgehört haben Kinder zu zeugen. Sie instruiert einen der Erfinder, Roboter mit größeren Gehirnen zu entwerfen und sie vernichtet danach die Bauanleitung für die Roboter. Es kommt, wie es kommen muss: Die Roboter übernehmen die Weltherrschaft und töten alle Menschen – bis auf einen Wissenschaftler, der ihnen aus ihrer Vermehrungskrise helfen soll. Doch auch er kennt das Geheimnis der Roboterkonstruktion nicht und gerade, als er ein Roboter-Pärchen sezieren will, stellt er fest, dass diese beiden Maschinen menschlich geworden sind, Angst um ihre Existenz haben und dass sie einander lieben.

“R.U.R.” vereint die jüdische Golem-Sage mit den Fieberträumen des Fordismus, in dem Menschen nach und nach durch Maschinen ersetzt oder selbst zu Maschinen am Fließband werden. Dass Capek diese Fantasien bereits in den 1920er Jahren hatte, beeindruckt umso mehr, als es anthropomorphe Maschinen, wie er sie beschreibt, in der Fiktion bis dahin nur als romantische Ausgeburten gegeben hat: Was hier an der (Nicht-)Existenz einer “Seele” festgemacht wird, konkretisiert sich in “R.U.R.” auf biophysischer Ebene dadurch, dass die Roboterkörper zwar offenbar organisch sind, aber keine Nerven besitzen, weil diese im Arbeitsprozess nur hinderlich wären. Erst als klar wird, dass man mit Schmerz-Empfindungen die Unfallhäufigkeit senken kann und daher Nerven in den Körpern verbaut, stellt sich so etwas wie ein Selbsterhaltungstrieb bei den Robotern ein, der im Stück mit “Angst” tituliert wird. Das ist natürlich Materialismus reinster Sorte (was im Hörbuch auch reflektiert wird) aber für ein engagiert antikapitalistisches Stück wie “R.U.R.” zu dieser Zeit eben auch nicht ungewöhnlich.

Die zweite Anschaffung trägt schon deutlich ironischere Züge. Ähnlich Max Brooks’ “Zombie Survival Guide” (der ebenfalls ins Bunker-Bücherregal jedes Postapokalyptikers gehört) richtet sich Wilsons Buch an die Vorsorgenden: Was ist zu tun, wenn Roboter (wie von Capek prognostiziert) die Weltherrschaft an sich reißen? Auf 176 sehr reichlich illustrierten Seiten erfährt man es – z.B. wie man einen Roboter erkennt, der sich als Mensch ausgibt (“Does he smell like a brand new soccer ball?”), wie man eine Laser-Wunde behandelt (“During the uprising the laser wound become the most common by-product of human-robot interaction.”) und natürlich, wie man den eigenen Körper mit gefundenen Roboter-Teilen selbst kybernetisch aufwertet.

Für den Mini-Preis von jeweils knapp 8 Euro seien beide Titel dringend zur Anschaffung empfohlen!

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